Geschichte
Strecke Braunschweig - RühmeVW / Hafen / Watenbüttel


Der Bau der Strecke Celle - Braunschweig Gliesmarode begann 1913 und wurde durch den ersten Weltkrieg erheblich verzögert. Am 01.09.1920 wurde die Strecke von Celle bis Plockhorst in Betrieb genommen, am 01.03.1923 folgte das Teilstück Plockhorst - Braunschweig Gliesmarode. Da in Plockhorst die Hauptstrecke Hannover - Wolfsburg überquert werden musste entstand hier ein interessanter Kreuzungsbahnhof mit Umsteigemöglichkeit und Gleisverbindung zur Hauptbahn. Mit Inbetriebnahme dieser Linie wurde Gliesmarode am 12.02.1923 zum Abzweigbahnhof, vorher gab es dort weder Weichen noch Signale.
Der späte Bau dieser Bahn verwundert, denn schon 1824(!) gab es erste Pläne für eine solche Streckenführung als Teil einer Fernverbindung Braunschweig - Hamburg. Die schließlich knapp 100 Jahre später eröffnete Nebenbahn erlangte dagegen nie große Bedeutung. Der Personenverkehr wurde zum Sommerfahrplanwechsel am 27.05.1962 zwischen Gliesmarode und Plockhorst eingestellt, der Abschnitt Plockhorst - Celle folgte zum 23.05.1971.
Der Güterverkehr wurde bis 1966 mit einem Nahgüterzugpaar Braunschweig - Celle abgewickelt. 1966 bis 1970 verkehrte dieses Zugpaar werktags nur noch zwischen Braunschweig und Uetze (samstags noch bis Celle, allerdings ohne Bedienung der Bahnhöfe nördlich von Uetze).  Der Abschnitt Celle - Bröckel wurde ab 1966 bis zur Stillegung von Celle aus bedient. 1970 bis 1985 wurde der Abschnitt Plockhorst - Uetze von der in Dedenhausen (Strecke Lehrte - Wolfsburg) stationierten Kleinlok angefahren, hierzu wurde die Verbindungskurve zwischen Haupt- und Nebenbahn in Plockhorst genutzt.
Das Braunschweiger Zugpaar endete fortan bereits in Wipshausen. 1985 bis 1991 fuhr erneut ein Zugpaar Braunschweig - Uetze, zuletzt (1992) auf den Abschnitt Braunschweig - Harvesse beschränkt.
Neben diesem Güterzugpaar gab es zeitweise weitere Züge, so in den 60er Jahren einen Bedarfs-Viehzug ab Harvesse nach Braunschweig oder Bedarfs-Durchgangsgüterzüge Hamburg - Celle - Braunschweig in den 50er Jahren.
Zu den eingesetzen Fahrzeugen: Seit 1975 waren auf der Strecke nur noch Kleinloks (BR 332/333) im Einsatz, vorher fuhr die V60 (260) im Güterzugdienst (seit ca. Anfang der 60er Jahre). Im Personenverkehr waren ab Sommerfahrplan 1955 fast ausschließlich Schienenbusse unterwegs, hierfür wurden sogar neue Haltepunkte in Eickenrode, Wipshausen Süd und Braunschweig Rühme angelegt (Bedarfshalte).

Die Einstellung des Güterverkehrs folgte abschnittsweise:

Wathlingen - Uetze 30.05.1976, Rückbau 1976
Nienhagen - Wathlingen 02.06.1985, Rückbau 1986
Celle - Nienhagen 29.09.1990, Rückbau 1991
Uetze - Harvesse 31.12.1991*, Rückbau 1996

Harvesse - Braunschweig 31.12.1993**, kein Rückbau!

*nach anderen Quellen bereits am 13.05.1991
** planmäßiger Zugverkehr endete bereits zum Fahrplanwechsel 1992. Der Abschnitt wird zum 01.01.95 stillgelegt, nach anderen Quellen erst zum Jahresende 2008(!).

Die noch vorhandene Strecke Abzweig Hafen - Harvesse blieb ab 1992 ungenutzt liegen, es verkehrten hier nur noch einige Sonderzüge. Die letzte Fahrt fand am 11.12.94 statt, der Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde veranstaltete eine Nikolausfahrt nach Wendezelle.  1998 schließlich wurde der Abschnitt Abzw. Hafen - Watenbüttel Kanalbrücke komplett erneuert und ein neuer Anschluss zur Müllverladeanlage nördlich des Kanals gebaut. Seither fährt ein Zugpaar mit Müllcontainern von dort zur Verbrennungsanlage nach Staßfurt (bis 2007 Buschhaus bei Schöningen, bis 2008 Bremerhaven). Die Strecke in Richtung Celle wurden dabei erst einmal "abgeklemmt", aber auch 2013 liegen die Gleise noch bis Harvesse. Inzwischen plant die VW-AG dort ein neues Logistikzentrum mit Gleisanschluss, was auch für dieses Teilstück eine Wiederinbetriebnahme bedeuten würde.

Sicherungstechnisch wird auf der Strecke schon seit dem Fahrplanwechsel 1963 im Zugleitbetrieb gefahren, verantwortlicher Fahrdienstleiter war hierfür zunächst Bahnhof Uetze, von 1972 bis Ende 2010 das Stellwerk in Rühme ("Rf"). Nach Entfall dieser Dienststelle hat diese Aufgabe der Fahrdienstleiter in Gliesmarode übernommen.


Ganze 7 Jahre existierte der Haltepunkt Braunschweig-Rühme (Sommer 1955 bis Sommer 1962), hier im Sommerfahrplan 1956. Zu dieser Zeit bestand auf dieser Strecke ein recht gutes Angebot im Personenverkehr, gefahren von (damals modernen) Schienen- bussen. Man beachte: P3791 und P3597 verkehren samstags als Dampfzug!
(Fahrplan: Archiv S. Pikart)
Vor 1934 gab es zwischen den Personenbahnhöfen Gliesmarode und Watenbüttel keine weiteren Betriebsstellen, was sich jedoch in den Folgejahren ändern sollte:

1934
wurde der Braunschweiger Hafen am Mittellandkanal eingeweiht, seither zweigt westlich des Bahnübergangs Hamburger Straße eine ca. 2 Kilometer lange Anschlussbahn dorthin ab. Der Abzweig wurde von Anfang an signalgesichert, ein kleines Stellwerk bediente gleichzeitig die Schrankenanlage Hamburger Straße. Diese Bahn ist im Besitz der Hafenbetriebsgesellschaft, die DB fährt die Waggons bis zum Übergabebahnhof Veltenhof, kurz vor den eigentlichen Hafenanlagen. Das Güteraufkommen dieser Strecke ist bis in die 90er-Jahre leider fast kontinuierlich zurückgegangen, nach Aufnahme des Containerverkehrs ist jedoch ab 1999 eine erfreuliche Steigerung eingetreten.
1936 entstand ab Braunschweig Nordkurve die Verbindungsstrecke zum Nordbahnhof, die heute noch von Kohlenzügen befahren wird. Diese Kurve baute noch die BLE (Braunschweigische Landes-Eisenbahn), um Anschluss an die zu dieser Zeit neu entstehende Industrie (VW, Hafen) zu gewinnen. Ab 1941 wurde dann der Betriebsbahnhof Nordkurve mit 2 Stellwerken und 4 Gleisen ausgebaut. Nach einem Rückbau 1968 entfiel dort wieder ein Gleis und die Einmündung der Ringbahn wurde südlich des Bahnübergangs Ottenroder Straße zurückverlegt, vorher konnten Züge aus Richtung Gliesmarode und Nordbahnhof parallel in den Bahnhof einfahren. Ab 1995 war der Bahnhof nicht mehr besetzt, die Stellwerke (Nsf am Bahnübergang Ottenroder Straße, Nn am Bahnübergang Bienroder Weg) wurden abgerissen und die Weichen/Schrankenanlagen auf Handbetrieb umgestellt. 2014 liegen immer noch 3 Gleise, genutzt wird jedoch nur noch das Mittlere zur Durchfahrt. Die Kohlezüge wechseln hier auf dem Weg zum ehem. Nordbahnhof nach wie vor die Fahrtrichtung, die Strecke dorthin wird als Anschlussgleis betrieben. Durch das Halten und Wiederanfahren vor den Bahnübergängen ist der Betrieb heute etwas umständlich.
1938 begann der Aufbau des VW-Werkes östlich der Hamburger Straße, hier wurde zunächst eine Anschlussstelle eingerichtet. Erst 1972 entstand mit Unterstützung der VW-AG die Betriebstelle "Rühme" mit Stellwerk in E43-Technik und verbesserter, signalgesicherter Zufahrt zum Werksgelände. Die Abzweigstelle Hafen wurde gleich mit angeschlossen und seitdem von hier fernbedient. Ende 2010 entfiel diese Betriebsstelle, Weichen, Signale und Schrankenanlagen werden jetzt vor Ort bzw. vom Fahrdienstleiter Gliesmarode über "TuZ" (technisch unterstützter Zugleitbetrieb) gestellt.
1955 wird der Haltepunkt Braunschweig-Rühme am Bahnübergang Hamburger Straße eingerichet, mit der Einstellung des Personenverkehrs auf der Celler Strecke 1962 entfiel er jedoch bereits wieder.

Stand der Bearbeitung 15.02.14